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02. Februar 2022

Mädchen und Frauen in MINT – wie geht es von hier aus weiter?

  • Gender

Zwar gab es in den letzten Jahrzehnten einige positive Tendenzen – dennoch sind Mädchen und Frauen in MINT nach wie vor deutlich unterrepräsentiert. Woran liegt das und welche Lösungsmöglichkeiten gibt es? Welche Erkenntnisse bietet die Forschung an und wie können diese optimal in die Praxis umgesetzt werden? Diese und weitere Fragen zum Thema „Mädchen und Frauen in MINT“ stellen wir uns ab jetzt in einer Serie von Blogbeiträgen. Als erstes Thema steht die Ausgangssituation von Mädchen und Frauen in MINT im Fokus. 

Aktuelle Zahlen zeigen zwar, dass sich in den letzten Jahren mehr Mädchen und Frauen für MINT-Berufe, MINT-Studiengänge und MINT-Kurse entscheiden, aber die Beteiligung von Mädchen und Frauen im MINT-Bereich ist immer noch sehr gering. Beispielsweise hat sich der Frauenanteil in MINT-Berufen in Deutschland seit 2013 von 14,4 % nur leicht auf 15,5 % erhöht (Anger, Kohlisch & Plünnecke, 2021; Bundesagentur für Arbeit, 2019). Zwischen den verschiedenen MINT-Disziplinen zeigen sich dabei große Unterschiede: Während mathematische und naturwissenschaftliche Berufsfelder mit 37,5 % einen relativ hohen Anteil an weiblichen Beschäftigten aufweisen, liegen technische und informatische Berufe deutlich darunter (Bundesagentur für Arbeit, 2019). 

Ähnlich sind die Frauenanteile bei den Studienanfängerzahlen: Während im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich der Frauenanteil bei über 50 % liegt, ist der Frauenanteil in der Informatik (22,9 %) und in der Elektro- und Informationstechnik (16,3 %) deutlich geringer (Anger, Kohlisch & Plünnecke, 2021). In MINT-Ausbildungsberufen liegt er bei lediglich 13,8 %. Trotz der steigenden Relevanz der Digitalisierung sank der Frauenanteil in informatischen Ausbildungsberufen seit 2012 von 15,5 % sogar leicht auf 15,1 % ab (Anger, Kohlisch & Plünnecke, 2021). Auf einem noch niedrigeren Niveau befinden sich die Frauenanteile in Ausbildungsberufen des Bereichs Energie- und Elektrotechnik mit 7 %, während in mathematisch-naturwissenschaftlichen Ausbildungsberufen der Frauenanteil erfreulicherweise bei 90 % liegt (Anger, Kohlisch & Plünnecke, 2021). 

Je höher die Karrierestufe … 

Die höheren Frauenanteile im Bereich der Mathematik und Naturwissenschaften sind auf den ersten Blick erfreulich, doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass es das Phänomen der „Leaky Pipeline“ gibt: Je höher die Karrierestufen und Qualifizierungsebenen, desto geringer ist der Frauenanteil. Beispielsweise liegt dieser bei Promovierenden im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich bei etwa 40 %, auf der nächsten Stufe der Habilitierenden bei 30 % und wiederum auf der nächsten Stufe der Professor:innen bei nur mehr etwa 20 % (Statistisches Bundesamt, 2021). 

Das Umfeld beeinflusst die MINT-Zukunft der Mädchen  

Als mögliche Ursachen für die nach wie vor problematische und ausbaufähige Situation von Mädchen und Frauen in MINT diskutiert die Forschung – neben individuellen Merkmalen wie niedrigeres Interesse oder niedrigeres Vertrauen in die eigenen MINT-Fähigkeiten – vor allem Sozialisations- und Umwelteinflüsse, die durch Eltern, Lehrkräfte, die Gruppe der Gleichaltrigen und nicht zuletzt durch die Medien vermittelt werden. Noch immer hält sich z. B. das Stereotyp vom mathematisch-naturwissenschaftlich begabten Mann und der mathematisch-naturwissenschaftlich unbegabten Frau. Dadurch entwickeln Mädchen oft Erwartungshaltungen, nach denen sie in MINT weniger erfolgreich sein werden. 

MINT nachhaltig in viele Umweltbereiche der Mädchen bringen 

Der Besuch eines einzelnen MINT-Bildungsangebots ist deshalb oft nicht ausreichend. Die Wirkung kann sehr schnell ins Leere laufen und sich nicht nachhaltig entfalten, wenn die Mädchen danach wieder in ihre gewohnte Umwelt zurückkehren, wo sie weiterhin mit den bisherigen, oft stereotypen Einflüssen konfrontiert sind. Die Lösung: eine möglichst langfristige Förderung, die viele Umweltbereiche der Mädchen miteinbezieht. Dies kann durch eine gute Vernetzung verschiedener Maßnahmen erreicht werden, z. B. zwischen schulischen und außerschulischen MINT-Bildungsangeboten oder auch über verschiedene Klassen- und Altersstufen hinweg.  

Wir als MINTvernetzt möchten daher gemeinsam mit Euch diesen nächsten Schritt gehen und eine stärkere Vernetzung von MINT-Bildungsangeboten für Mädchen in Deutschland erreichen sowie eine starke Community aufbauen. Den notwendigen Raum zum Vernetzen, Diskutieren und Gestalten bietet das monatlich stattfindende „MINTcafé Gender“, in dem neben Austausch und Vernetzung auch verschiedene Forschungserkenntnisse und Praxiserfahrungen zum Thema Mädchen und Frauen in MINT vorgestellt werden. Hier habt Ihr die Möglichkeit, gemeinsam zu überlegen, wie eine langfristige und nachhaltige Veränderung der Situation für Mädchen und Frauen in MINT erreicht werden kann. Auf dieser Website werdet Ihr zudem in regelmäßigen Abständen weitere kurze Blogbeiträge zum Thema Mädchen und Frauen in MINT finden.  

Wer tiefer in die Zahlen einsteigen möchte, findet hier Literatur und weiterführende Links:  

Anger, C., Kohlisch, E., & Plünnecke, A. (2021). MINT-Herbstreport 2021: Mehr Frauen für MINT gewinnen – Herausforderungen von Dekarbonisierung, Digitalisierung und Demografie meistern. Köln: Institut der deutschen Wirtschaft. 

Bundesagentur für Arbeit (2019). Blickpunkt Arbeitsmarkt – MINT-Berufe. Nürnberg: Bundesagentur für Arbeit. 

Statistisches Bundesamt (2021). Die Datenbank des Statistischen Bundesamtes.

Deep-dive MINT-Herbstreport 2021 – Trends und Erkenntnisse zu Frauen in MINT | Nationales MINT Forum |Nationales MINT Forum (nationalesmintforum.de) 

So begeistern diese Expert:innen Mädchen und Frauen von MINT entlang der Bildungskette | MINTvernetzt (mintvernetzt.de)